Es wetter-äppt

Das Schönste an den unzähligen Wetter-Apps ist, dass man – vorausgesetzt man verfügt über die nötige Ausdauer – früher oder später einen Wetterbericht ausfindig macht, der einem das vorgaukelt, was man gerne hören würde.

Ob das dann mit der Realität übereinstimmt, sei dahingestellt.

Es darf sich hier Jeder und Jede selber ausmalen, ob unsere Wandergruppe heute trocken über die Runde gekommen ist.

Der Wetterbock

Ihm war kalt, der Wind, der direkt aus Moskau zu kommen schien, pfiff ihm zwischen den Hörnern hindurch, ging durch Mark und Bein. Der Steinbock konnte sich nicht erinnern, dass es jemals so saukalt gewesen war. Und er wunderte sich. Wunderte sich, ob diese Eiseskälte noch länger andauern würde.

Wen sollte er fragen? Diesen Hornlosen – wie hiess er doch gleich wieder– Thomas Bucheli? Den Kachelfrosch? Oder diesen komischen Vogel, der ihm den Schnee wegfrass? Was wussten die schon, wie es in eisigen Höhen zuging!

Ihm war zu Ohren gekommen, dass seine zwei vorlauten Cousins, die sich auf die Fahne geschrieben hatten, die Unterländer zu veräppeln, neuerdings unter die Wetterfrösche gegangen waren. Gian und Giachen war wirklich gar nichts mehr heilig.

In der Brust des Steinbocks schlugen zwei Herzen. Einerseits war es gut, dass seine Spezies endlich die ihr zustehende Beachtung erhielt. Andererseits… wurden sie denn überhaupt noch ernst genommen? Erachteten die Hornlosen sie nicht nur noch als Streicheltiere und Juxfiguren? Der Steinbock überwand seine Abscheu vor der Technik, die einen so grossen Teil seiner Heimat vereinnahmte. Er klickte auf den Knopf und beobachtete mit immer grösser werdenden Augen, was die beiden Wetterböcke zu berichten hatten.

Frühlingsgefühle – und was sonst noch?

Es sind noch keine 24 Stunden her, da habe ich mich an dieser Stelle über Frühlingsgefühle geäussert. Man könnte durchaus auch sagen „lustig gemacht“. Ich gebe hier kleinmütig zu Protokoll, dass ich das Geschriebene mittlerweile bitterlichst bereue.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich haben nämlich heute unsere Rennvelos aus der Versenkung geholt. Von frühlingshaften Temperaturen war die Rede gewesen und unsere Euphorie entsprechend gross. Irgendwo zwischen Wetterfrosch Bucheli und unserer Veloroute muss der Frühling eine andere Richtung eingeschlagen haben. So ganz schampar schaurig warm war es auf dem Velo nämlich nicht. Wen wundert’s, die Sonne hat sich den ganzen Nachmittag nicht blicken lassen, und es wurde keine 15 Grad warm. Wir haben trotzdem tapfer die ersten 50 Kilometer der neuen Rennvelo-Saison abgestrampelt.

Selten so wenig geschwitzt auf dem Velo! Dafür war das warme Bad danach ganz angenehm.