Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

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Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

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Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.

Öfters mal Panne (35)

… oder: Campieren ohne Campingplatz

Meine Pannenserie hat schon bald das dritte Dutzend vollendet und noch immer habe ich keine Panne beschrieben, die sich in der Schweiz ereignet hätte. Daraus könnte man (fälschlicherweise) ableiten, dass man in diesem Land so sicher ans Werk geht, dass sich Pannen schon gar nicht erst ereignen können. Man könnte aber auch daraus schliessen, und damit läge man mit der Wahrheit schon sehr viel näher, dass mein innig geliebter Mitreisender und ich gar nicht so oft im eigenen Land unterwegs waren.

Stellt sich aber auch die Frage, wann ist ein Ereignis wirklich eine Panne? Reicht es, wenn das Angetroffene nicht den Vorstellungen entspricht? In diesem Falle könnte ich unter anderem mit folgenden eidgenössischen Pannen aufwarten:

Auf der Suche nach einem „schönen Stellplatz auf einer Alp“ an einem heissen Sommerwochenende verliessen wir die Region Obersee im Glarnerland wieder und mussten resigniert feststellen, dass dieses Land nicht auf Individualisten wie unsereins eingestellt ist. „Campingplatz oder gar nicht“ hiess die damalige Devise. Wir verliessen den Ort des Schreckens fluchtartig und endeten auf einem Waldparkplatz am Ricken.

Am Ausgangspunkt unserer Skitour am San Bernardino, wo wir im vorigen Jahr noch übernachtet hatten, stand eine unmissverständliche Verbotstafel.

Als wir den Campingplatz in Ascona anfahren wollten, gab es diesen nicht mehr. Dafür flogen uns Golfbälle um die Ohren. Ein Campingplatz im unteren Maggia-Tal quartierte uns dankbar ein.

Am Umbrail-Pass, an der Grenze zu Italien, wo sich Steinbock und Murmeltier gute Nacht sagen, leuchteten uns mitten in derselben minutenlang die Grenzwächter in den VW-Bus. Dass wir uns dabei etwas unbehaglich fühlten, muss ich wohl nicht sonderlich hervorheben.

Doch nun endlich zum eigentlichen Höhepunkt meiner kleinen Auflistung helvetischer Pannen:

Es war Ende September, wir waren mit dem VW-Bus im Jura unterwegs und auf der Suche nach einem lauschigen Übernachtungsplatz. Das dürfte doch nicht schwierig werden, sagten wir uns, angesichts der für helvetische Verhältnisse grosszügigen Platzverhältnisse dort. Und so fuhren wir abseits der Hauptstrasse einer der für die Gegend typischen Pferdeweiden entlang, bis wir einen flachen Boden erspähten. Dort sollte es sein! Der Mitreisende lenkte den Camper aufs Grün, wollte noch etwas korrigieren und Keile unterlegen, damit wir schön gerade stehen. Soweit die Theorie. Doch unser Fahrzeug war da anderer Ansicht. Als der Mitbewohner nämlich den Rückwärtsgang einlegte und Gas gab, begannen die Räder durchzudrehen. Der Untergrund, obschon es seit Tagen nicht mehr geregnet hatte und oberflächlich trocken schien, war viel weicher als angenommen. Wir sassen fest! Unser VW-Büssli wollte sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Anschieben half nichts mehr, da drückte man bestenfalls den Kühlergrill ein, und die Räder hätten sich nur noch tiefer in den Dreck gegraben.

Der Mitreisende war zwar im ersten Moment sprach-, nicht jedoch ratlos. Von den nahen Tannen brachen wir Äste ab und legten sie unter die Räder. Viele Äste. Aber es hatte auch viele Tannen. Er warnte mich, aus dem Weg zu gehen, wenn er erst mal Fahrt aufgenommen hätte, er würde erst wieder anhalten, wenn er Asphalt unter den Rädern hätte. Mit etwas Wiegeln und Anschieben und dank der tatkräftigen Unterstützung einer ganzen Armee von Tannnadeln gelang es schliesslich, das Fahrzeug wieder aus der Wiese zu fahren.

Die Lust auf einen lauschigen Übernachtungsplatz im Grünen war uns ziemlich vergangen und wir stellten uns auf einen Parkplatz am Rande eines Dorfs.

Seither sind wir sehr, sehr vorsichtig, wenn wir mit einem Campingbus oder Wohnmobil die befestigte Strasse verlassen. Schon oft haben wir gestaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit beispielsweise auf Sandstrände gefahren wird. Da lassen wir lieber die Finger davon. Wie peinlich wäre das denn gewesen, hätten wir seinerzeit einen Bauern mit seinem Traktor um Hilfe bitten müssen!

Beschildert geschildert (1)

Was wäre unser Leben ohne Schilder? Sie informieren, schikanieren, delegieren. Sie verbieten und gebieten. Schilder weisen uns den Weg und in die Schranken.

In edler Ausführung sind sie aus Metall. Manchmal nur auf Holz gekritzelt oder gemalt. Bedrucktes Papier tut es mitunter auch. Schilder können kaum mehr lesbar oder brandneu sein. Amtlich korrekt, hochgradig belehrend oder total naiv. Wir können uns über sie ärgern, ihr Dasein begrüssen, sie ignorieren oder einfach nur den Kopf schütteln. Sie bringen uns zum Lachen und sind manchmal schlicht zum Heulen.

Ich werde fortan jeden Montag ein Schild veröffentlichen, das meinen Weg gekreuzt hat. Den Anfang macht eine Holztafel, die ich in der Kategorie „charmante Aufforderung“ ablegen würde.

Seid ihr auf ein Schild gestossen, das besonders absurd, witzig, anstössig oder sonst bemerkenswert ist? Schickt es mir! Ich werde es in diesem Blog publizieren. Aber bitte nur selber gemachte Fotos, an denen ihr das Recht auf Veröffentlichung habt.

Vielleicht habt ihr auch Lust, in eurem Blog etwas Ähnliches zu lancieren?