Beschildert geschildert (128)

Wir kamen heute unbeschadet durch. Auf dem Rheinuferweg zwischen Koblenz und Waldshut, wo ich das Schild fotografierte, wehte bestenfalls ein laues Lüftchen, viel zu warm für die Jahreszeit.

Dem Vernehmen nach soll es aber im Flachland ab dieser Nacht bis Montagmorgen zu Sturmböen bis 110 km/h kommen. Da dürfte dann durchaus der eine oder andere morsche Ast von den Bäumen fallen. Hütet euch vor Sturmtief Marilou, das übers 2. Adventswochenende ihr Unwesen treiben wird! Nicht überall, wo Gefahr lauert, hat es ein solches Schild.

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Öfters mal Panne (30)

… oder: Vom Winde verweht

Wasser hat auf den Menschen schon seit jeher eine grosse Anziehungskraft ausgeübt. Mein innig geliebter Mitreisender und ich machen da keine Ausnahme. Als wir im alleräussersten Nordosten Kanadas in der Provinz Nova Scotia unterwegs waren, zog es uns drum richtiggehend magisch ans Meer. Die Gegend um Bay St. Lawrence ist rau. Der offene Atlantik geht mit Bewohnern und Natur nicht zimperlich um. An exponierter Lage über dem Meer fanden wir den wild-romantischen Campingplatz „Jumping Mouse„. Wir suchten uns eine nette Ecke aus – ausser uns waren keine Gäste anwesend – erkundeten die Gegend noch etwas zu Fuss und zogen uns dann, weil es etwas gar frisch war an jenem 18. September 1999, in den Camper zurück.

Im Laufe der Nacht begann ein fürchterlicher Wind zu toben, der mit jeder Minute stärker zu werden schien. Wir standen voll im Wind und fürchteten, dass unser Fahrzeug umgeweht würde wie eine leere Kartonschachtel. Aus dem Camper raus trauten wir uns schon gar nicht. Hätten die Türen einem Öffnungsmanöver auf der richtigen Autoseite vielleicht noch Stand gehalten, so da hätte es uns glatt weggepustet. Umparkieren, damit wir nicht gleich mit der Breitseite im Wind standen, kam deshalb nicht mehr in Frage, weil im Stockdunkeln jemand – ICH – hätte einweisen müssen. Wir waren dem tobenden Wind ausgeliefert und mussten ausharren. Geschlafen hatten wir in jener Nacht bestimmt nicht gerade viel.

Am anderen Morgen vernahmen wir, dass Ausläufer des Hurricans Floyd über uns hinweggefegt waren und uns diese unruhige Nacht beschert hatten. Wir kreiden es der Campingplatz-Inhaberin noch heute an, dass sie uns trotz entsprechender Nachfrage nicht auf den kommenden Sturm hingewiesen hat. Unter solchen Umständen hätten wir uns bestimmt nicht an einer derart exponierten Lage hingestellt. Aber das Geschäft war offenbar wichtiger als die Sicherheit der Gäste. An der Verständigung konnte es übrigens nicht gelegen haben, war die Dame doch zu 50% Schweizerin. Der wildromantische Übernachtungsplatz hätte für uns zum Desaster werden können.

Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass es beim Reisen auch ein Quäntchen Glück braucht. Der Mitreisende und ich haben dieses Quäntchen übrigens häufig in Anspruch genommen, blieben wir doch auf all unseren Reisen von Zwischenfällen, die unser Leben ernsthaft bedroht hätten, verschont.

Dass es auf Campingplätzen in den letzten paar Tagen wegen den Stürmen etwas ungemütlich wurde, zeigt das Beispiel von Annette Weber eindrücklich. Zum Glück ist auch sie unversehrt geblieben.

Die Ruhe nach dem Sturm. Unser Camper auf dem Campingplatz „Jumping Mouse“ in Bay St. Lawrence.