Der Pechvogel

Es waren nur wenige Worte, die mir meine Freundin schrieb. Aber für sie waren sie von grösster Tragweite.

Müend wieder hei cho. Ich Lappi bin gstürchlet und umgheit.
Handglenkbruch. Mues operiere.
Mach ich aber lieber dihei.
Liebi Grüess Lisbeth

Aus der Traum von der Wohnmobilreise durch Spanien. Lange und ausgiebig hatten sie und ihr Mann sich auf diese angedachten 10 Wochen vorbereitet. Und nun ist nach 3 Wochen der Traum zu Ende. Ich habe keine Ahnung, wie schwerwiegend die Verletzung ist. Es tut mir Leid für meine Freundin, aber auch für die Träume, die sie und ihr Mann nun vorerst begraben müssen. Eine Enttäuschung, mit der beide auf unterschiedliche Art umgehen werden.

Meine Gedanken gehen in die Vergangenheit. Zwanzig, fünfundzwanzig Jahre zurück. Wie gut es doch meinem Mann und mir immer ergangen ist! Auf all unseren Reisen, und das waren nicht wenige (zur Erinnerung: wir hatten über 2’000 Übernachtungen in unseren Wohnmobilen verbracht) waren wir nie gesundheitlich beeinträchtigt, mussten nie, gar nie einen Arzt aufsuchen. Okay, meinen Mann hat es einmal in voller Fahrt vom Bike abgesattelt, da ging einiges an Tapete ab. Und dieser Zwischenfall hätte weitaus schlimmere Konsequenzen haben können, trugen wir doch damals noch keinen Velo-Helm.

Diese Geschichte mit meiner Freundin zeigt einmal mehr, dass Vorsicht und Umsicht alleine noch nicht reichen. Man braucht im Leben auch immer eine Portion Glück.

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Liebe Lisbeth,
Ich hätte mir unser Wiedersehen anders vorgestellt. Ich hoffe, dass du dich bald von deiner Verletzung erholst. Und du weisst, wenn ich etwas für dich tun kann: Ich bin da für dich.
Bea

 

Alles hat ein Ende

Alles hat ein Ende, auch meine Karriere als Journalistin. In den vergangenen 9 Jahren schrieb ich die Kolumne in der 5 x jährlich erscheinenden Zeitschrift “Wohnmobil & Caravan”. Anfangs gehörten mein Mann und ich selber noch zur Wohnmobil Gilde.  Dann verkauften wir unser Fahrzeug und in meine Kolumnen (übrigens mein Baby, denn erst auf meine Initiative gab es in der besagten Zeitschrift eine solche Rubrik) floss nur noch mein enormer Erfahrungsschatz. Immerhin hatten wir weit über 2’000 Übernachtungen in einem Camping-Fahrzeug verbracht. Dann sah ich die Zeit gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht nur, weil mir langsam die Ideen ausgingen, sondern auch weil mein Mann, der kritischste Leser meiner Werke, krank wurde. Dies ist meine letzte von total 44 Kolumnen, die im letzten Herbst erschienen ist:

Der Tag wird kommen, wo mir das Reisen im Wohnmobil zu umständlich erscheint. Wo es mir zu eng sein wird. Wo ich lieber im Lehnstuhl als auf dem Beifahrersitz meine müden Knochen ausruhe, die Annehmlichkeiten einer ausgewachsenen Küche mehr schätze, als den Zweiflammen-Herd mit ständig wechselnder Aussicht.

Dann werde ich alt und grau sein. Und mir wird ein ähnliches Schicksal bevorstehen, wie so vielen Mitmenschen vor mir: Ich werde über kurz oder lang in einem Altersheim landen. Aber ganz bestimmt nicht in einem x-beliebigen Altersheim! Ich werde in eine Seniorenresidenz der besonderen Art einziehen. Eine, in der ausschliesslich gestandene Wohnmobilfahrer ihre alten Tage verbringen. Vielleicht wird es, insofern es besteht eine genügend grosse Nachfrage, auch eine Untergruppe „Wohnwagen“ geben. Uns allen wird gemein sein, dass es uns nie an Gesprächsstoff fehlen wird. Wir werden über unsere Abenteuer vergangener Tage berichten, verblasste Fotos herumreichen und uns darüber ärgern, dass wir unsere Fotodateien auf dem Handy nicht regelmässig gesichert hatten. Gut möglich, dass wir unseren Erlebnissen ab und zu etwas andichten, dafür unrühmliche Details weglassen. Wieso sollten wir es im Kreise der ergrauten Häupter anders halten als im früheren Leben?

Für das Personal des Altersheims werden wir pflegeleichte Bewohner sein, sind sich viele von uns doch gewohnt, Energie zu sparen, mit wenig Platz auszukommen, nicht täglich zu duschen und zu zweit in einem Bett zu schlafen. Anstelle eines Veranstaltungsprogramms, bestehend aus Bastelnachmittagen, Seniorengymnastik und weiteren Angelegenheiten, die in herkömmlichen Altersheimen den Bewohnern die Langeweile aus dem Gesicht wehen sollen, wird man uns im Rollstuhl an die grossflächigen Fensterfronten schieben. Von dort aus werden wir zum Nulltarif die beste Unterhaltung geniessen können, die dieses Universum zu bieten hat: Wohnmobil-Fahrer am Werk. Vor unserem Heim wird – primär zu unserer Bespassung und erst in zweiter Linie zum Wohle der Reisenden – eine ganze Reihe an Stellplätzen angeordnet sein. Damit wir nicht zu kurz kommen, werden die Plätze mit der einen oder anderen Tücke bestückt sein. Mal ist der Untergrund matschig, funktioniert das W-LAN nur in bestimmten Ecken, haut es am Stromkasten scheinbar grundlos die Sicherung raus. Von unseren Logenplätzen aus werden wir Wetten abschliessen, welcher Stellplatz als erster besetzt sein wird. Wie viele Vierbeiner aus welchem Fahrzeug raus kommen und wie lange es dauert, bis die Satellitenschüssel hochgefahren wird.

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Wir werden uns königlich unterhalten und die schweizweit zufriedensten Senioren sein. Aus der ganzen Welt werden Journalisten anreisen und ausführlich über unser Wohnmobilisten-Altersheim berichten. Es wird viele Nachahmer geben. Und noch mehr zufriedene alte Leute.

Auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, ins Wohnmobil-Altersheim einzutreten, so hat sich mein Leben in den letzten Monaten doch so verändert, dass auch ich das Wohnmobilen nur noch aus der Ferne betrachten kann. Wie die Bewohner meines fiktiven Altersheims werde ich aber weiterhin jedem Wohnmobil nachschauen, das meinen Weg kreuzt. Werde mir jede Dokumentation über Wohnmobil-Reisen und Campieren am Fernsehen anschauen, werde am Wegesrand immer wieder geeignete Rast- und Übernachtungsplätze entdecken. Ich kann einfach nicht anders, das Wohnmobil war zu lange mein Hobby, Reisen mein Lebenstraum.

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Dies sind die letzten Zeilen, die es von mir an dieser Stelle zu lesen gibt. Ich durfte mir die Themen für diese Kolumne selber aussuchen, genoss eine gewisse Narrenfreiheit. Der Sinn bestand nie darin, Sie auf dem neusten technischen Stand zu halten oder Ihnen einen gewissen Typ Fahrzeug schmackhaft zu machen. Mein Ziel war es, Sie zu unterhalten, Ihnen hin und wieder eine unserer zahlreichen Anekdoten zu erzählen, Sie dadurch vielleicht vor einem Fehler zu bewahren, den wir selber begangen hatten. Ich hoffe, dass mir das in den vergangenen neun Jahren gelungen ist. Alles Gute!

PS: Selbstverständlich ist dies nur meine letzte Kolumne, jedoch nicht die letzten Zeilen, die es im Flohnmobil zu lesen gibt.

Pin-oooh!

Hier mal wieder eine Anekdote aus der Zeit, als mein Mann und ich noch mit dem Wohnmobil Europa bereisten.

Wir hatten uns an einem hübsch gelegenen Stausee irgendwo in der Mitte Frankreichs installiert. Bald wurden wir von allen Seiten von Wohnmobilen zugeparkt, jeder wollte einen Stellplatz möglichst nahe am Wasser haben. Unsere nächsten Nachbarn waren Schwaben. Nachdem wir die üblichen Belanglosigkeiten (“Seid ihr schon lange unterwegs?” – “Wo kommt ihr her?”) ausgetauscht hatten, luden sie uns ein, nach dem Nachtessen auf ein Glas Pin-oooh zu kommen.

Mein Mann und ich dachten, es gäbe einen Schluck Rotwein, Pinot. Schliesslich weiss man, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Als wir uns mit unseren Campingstühlen zu den Nachbarn setzten, schenkten sie uns ein helles, gelbliches Getränk ein. Mit Garantie kein Rotwein, so viel konnten wir in der Dämmerung erkennen.  Schmecken tat es geradezu unverschämt gut. Aber was war es?

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Es war Pineau, eine Mischung aus halbvergorenem Traubensaft und Cognac. Überaus süffig und gefährlich mit 17 % Alkohol. Das Getränk schmeckte uns dermassen gut, dass wir damals kurzerhand unsere Flasche Schlehenfeuer, die wir von Freunden aus Nürnberg erhalten hatten und mitführten, gegen den Pineau eintauschten. Das war zwar nicht nur in Bezug auf den Alkoholgehalt ein schlechtes Geschäft, sondern auch, weil der Pineau schon in der unteren Hälfte der Flasche dümpelte. Aber wir waren glücklich mit unserer neuen Errungenschaft.

Seither gehörte dieses hierzulande nahezu unbekannte Getränk in unser Standard Repertoire. Von jedem Frankreich-Aufenthalt brachten wir mindestens zwei Flaschen mit. Aus meinen Ferien in Frankreich letzten Monat habe ich auch wieder einige Flaschen mit nach Hause gebracht. Ich werde die bewährte Tradition fortführen und weiterhin meine Gäste zum Aperitif mit einem Gläschen dieser Exklusivität überraschen.

Pineau des Charentes gibt es übrigens auch bei uns zu kaufen, allerdings zu stark überhöhten Preisen. In Frankreich kostet eine Flasche im Supermarkt um die sieben Euro, hierzulande gegen dreissig Franken.

Und das schreibt Wikipedia über Pineau.

Andere Länder – andere Sitten (6)

Dieser Beitrag ist die nahtlose Fortsetzung des letzten Posts. Der Grund, weshalb mein innig geliebter Mitbewohner und ich in Mexico eine Wal-Mart-Filiale aufsuchten, war nicht einzig, weil wir im Supermarkt einkaufen wollten. Wir gedachten auch, dort zu nächtigen. So hatten wir das schon dutzende Male in den USA und Kanada gemacht. Wieso sollte sich der Parkplatz nicht auch in Mexico zur Übernachtung im Camper eignen?

Als wir – aus bekannten Gründen unserem Gespür folgend – dorthin fuhren, war es noch hell. Da es aber Anfang Dezember war, wurde es früh dunkel. Bald war alles in hellem Flutlicht erleuchtet. Ein ruhiges Eck zu finden war nicht möglich auf dem riesengrossen Parkplatz. So entschieden wir uns für einen Platz direkt unter dem Scheinwerfer. Wenn schon, denn schon!

Als wir in der Nacht einmal wach wurden – nicht etwa wegen Nachtruhestörung oder dergleichen – waren wir das allereinzige Fahrzeug auf dem riesigen Platz. Und noch immer war alles hell erleuchtet. Wir müssen gut geschlafen haben, so genau weiss ich das nicht mehr. Jedenfalls wurden wir nicht behelligt.

Am Morgen spielte sich Seltsames ab vor, hinter und neben unserem Camper. Es wurde geputzt. Mit ganzem Einsatz. Aber nicht etwa mit einem Fahrzeug mit mehreren hundert PS, sondern von Hand. Da war eine ganze Garnison Mexis am Werk. Mit Reisbesen, wie wir sie benutzen, um einen kleinen Vorplatz zu wischen, waren Heerscharen von Leuten damit beschäftigt, in straff organisierten Reihen den mehrere Fussballfelder grossen Platz zu kehren. Ein Tagewerk, das seinesgleichen sucht! In Mexiko arbeiten Menschen noch deutlich billiger als Maschinen. Und eine mehr oder weniger sinnvolle Beschäftigung haben sie so obendrein.

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Nicht ganz so gut strukturiert wie in Mexico, aber auch in Slovakien werden grosse Plätze noch von Hand gekehrt.

Andere Länder –andere Sitten (5)

Bevor mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns aufmachten, Mexiko mit dem Wohnmobil zu bereisen, schmökerten wir ein wenig im Reiseführer herum. Darin stand so manches zu lesen, was wir während den fünf Monaten in diesem zentralamerikanischen Land am eigenen Leib erfahren würden.

Unter anderem war da zu lesen, dass ein Mexi nie zugibt, etwas nicht zu wissen. Er wird immer freundlich Auskunft erteilen, auch wenn diese kreuzfalsch ist.

In einer Stadt von vielleicht einer halben Million Einwohner fragten wir an einer Tankstelle nach dem Standort eines Supermarkts. Merke: Damals waren die Navis fürs Auto noch nicht erfunden.

“Ah, Wal-Mart”, Mexi Nummer eins kratzte sich vielsagend hinter den Ohren und wies uns nach kurzem Zögern den Weg Richtung Osten. Mexi Nummer zwei, gleich daneben stehend, widersprach. Nein, der Supermarkt liege im Westen der Stadt.

Von berechtigten Zweifeln betreffend dieser Auskünfte geplagt, fragten wir einen weiteren Mitarbeiter an der Tanke. Mexi Nummer drei schoss den Vogel vollends ab. Er schickte uns voller Überzeugung auf die Autobahn, bei der ersten Ausfahrt wieder raus und dann gleich links.

Nun waren wir so ratlos wie zu Beginn, folgten unserer Intuition und fanden uns nach wenigen Kilometern Fahrt an der Peripherie der Stadt vor dem Wal-Mart wieder.

Merke: Frag nie einen Mexi nach dem Weg, wenn du nicht ohnehin weisst, wo’s lang geht.

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So ziemlich am anderen Ende der Welt, aus mexikanischer Optik gesehen.
Wegweiser in Schwedisch Lappland.

Andere Länder – andere Sitten (2)

Wäscheleine der anderen Art

Man muss noch nicht mal das Land bereist haben, um zu erahnen, dass die Uhren im Mexiko anders ticken als bei uns. Wenn sie denn überhaupt ticken. Denn zu Zeit hat der Mexikaner ein anderes Verhältnis als das Volk der Uhrmacher im Herzen Europas.

Während ich hier schreibe und mir vorsichtig die Worte zurechtlege, dass ich die Pointe nicht am Anfang schon preisgebe, kommen mir ständig neue Erlebnisse in Mexiko in den Sinn, die gut in diese Serie passen würden. Immerhin haben wir Mexiko 5 Monate lang mit dem Camper bereist. Die meisten Mexikaner sind mausarm und leben in für unsere Begriffe schäbigen Bretterbuden. Sie sind Meister im improvisieren und flicken. Unsere Wegwerf-Gesellschaft könnte sich eine dicke Scheibe davon abschneiden.

Kakteen gehören in den meisten Regionen des subtropischen Landes zum Landschaftsbild wie bei uns Obstbäume. Kleine, grosse und ganz grosse Kakteen. Mit viel oder sehr viel Dornen. Zäune braucht es in Mexiko keine, solange eine breite Hecke an Kakteen ein Anwesen umgibt. Gewisse Kakteen kann man essen. Ihre Ohren werden auf Märkten angeboten. Das musste ich natürlich auch mal probieren!

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Kakteen haben aber noch eine weitere Funktion. Und um die zu verstehen, muss man wissen, dass es grosse Ohrenkakteen (Opuntien) gibt, die nicht ganz so viele Dornen haben wie auf dem Bild, das übrigens aus der Provence stammt.

Die Mexikanerinnen – und hier darf wohl getrost das Klischee des unter dem Sombrero zuschauenden, untätigen Mexikaners herbeigezogen werden – benützen ihre Kakteen-Hecken nämlich auch als Wäscheleinen. Nicht als Leine im herkömmlichen Sinn, sondern sie legen die Wäsche einfach auf die Kakteen. Wäscheklammern erübrigen sich. Wie schade nur, dass ich seinerzeit nie ein Bild von solchen textilen Ansammlungen auf der Botanik gemacht habe!

Wer etwas über kulinarische Freuden in Bezug auf Kakteen wissen will, kann gerne diesen alten Blogbeitrag anklicken.

Staub mit Erinnerungs-Potential

Immer, wenn ich ihnen begegne, und das ist immer, wenn ich abstaube, also eigentlich eher selten, erinnern sie mich an eine meiner längsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Bergwanderungen.

Diese Wanderung hätte gar nicht so lang werden sollen. Wir waren auf dem Heimweg von einer Reise aus Kroatien und Slowenien und machten mit dem Wohnmobil einen Abstecher ins Südtirol. Bei Einheimischen, die vor einer bewirteten Alphütte bei Ponticello sassen, erkundigten wir uns nach einer etwa fünfstündigen Wanderung. Diese gaben uns frohgemut den Tipp, doch den 2’810 m hohen Seekofel zu besteigen.

Zu früher Morgenstunde stiegen wir los, denn es versprach, ein heisser Tag zu werden. Wir kamen vorbei an Almen, auf denen nicht nur Kühe, sondern auch Pferde weideten. Was für eine Idylle! Und als ob es nicht schon kitschig genug gewesen wäre, wuchsen auf der ganzen Wiese Edelweisse. Soviel übrigens zum Thema “Edelweiss in steiler Bergeswand”. Dieser Mythos gehört ins Zeitalter der Louis-Trenker-Filme.

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Nicht erst auf dem Gipfel merkten wir, dass wir den Zeithorizont überschreiten würden. Dank den gut markierten Wegen und dem makellosen Wetter war das aber kein Problem.

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Im Rifugio Biella gönnten wir uns Speis und Trank. Neben uns sassen Deutsche, die mit dem Feldstecher durchs Panorama linsten. “Wenn mich nicht alles täuscht, stehen dort drüben die Drei Zinnen”, hörten wir vom Nebentisch. “Die sieht man nicht von hier aus”, knurrte ich mehr zu mir selber zwischen zwei Happen. Der Mitbewohner jedoch, der konnte diese Abänderung der Bergwelt nicht so im Raum stehen lassen und sagte laut und unüberhörbar: “Meine Frau hat gesagt, das seien nicht die Drei Zinnen. Und sie muss es wissen, schliesslich war sie auf allen drei oben.” Schwang da ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit? Na jedenfalls musste ich nachher Auskunft geben, was mir eher peinlich war. Es war und ist nicht meine Art, mit derartigen Leistungen anzugeben.

Erst als wir weitergingen, konnten wir im Dunst das berühmteste Dreigestirn der Dolomiten ausmachen.

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Unsere Wanderung indes war noch nicht zu Ende. Längst hatten wir herausgefunden, dass mit den fünf Stunden Wanderzeit lediglich der Hinweg auf den Gipfel gemeint war. Wir kamen auch im Abstieg an Wiesen vorbei, die vor Edelweissen nur so strotzten. Drum erlaubte ich mir, vier der geschützten Pflanzen zu pflücken. Ich weiss, dass man das nicht soll, aber die Kühe latschten ja auch geradewegs über diese raren Blümchen.

Nach acht ereignisreisen, aber auch reichlich ermüdenden Stunden waren wir wieder zurück beim Ausgangspunkt, wo unser Wohnmobil artig auf uns wartete.

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Die vier Edelweisse, die ich nach alter Väter Sitte zwischen zwei Buchdeckeln getrocknet hatte, sind in der Zwischenzeit reichlich verblasst. Trotzdem haben sie nach acht Jahren noch ihren festen Platz in unserer Wohnung. Und auch wenn der Mitbewohner meint, ich solle die Staubfänger endlich liquidieren, von diesem Souvenir mag ich mich nicht trennen.

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Der verkannte Freund

Sie hatten mir erzählt, sie würden bald kommen. Mit IHM. Mit Fridolin.

Hurra, dachte ich, endlich mal etwas für mich. Etwas hundefreundliches. Nicht nur zwei weitere Komische, die mit meinen beiden Komischen endlos komisch palaverten, so wie letzte Woche.

Mit Fridolin wäre für meine Unterhaltung gesorgt. Ich würde mit ihm durch den Garten toben. Ihm meinen Wald zeigen. Ihn gönnerhaft durch mein Revier führen. Und wenn er ganz nett mit mir wäre, würde ich ihm sogar meine Lieblings-Pfütze zeigen.

Als Fridolin um die Ecke bog, überkam mich eine herbe Enttäuschung. SO hatte ich mir meinen Spielkameraden nicht vorgestellt.

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Das Wohnmobil heisst übrigens wirklich Fridolin. Ohne Kohl!
Seine Besitzer haben wir nur dank diesem Blog kennen gelernt.

Und das Goldschätzchen hat seine Enttäuschung in der Zwischenzeit verkraftet und geniesst die zusätzlichen Streicheleinheiten.

Teures Eis

Wer in Alaska unterwegs ist, oder gar wie wir seinerzeit durch ganz Kanada nach Alaska und wieder zurück fährt, kommt ohne sie nicht aus. Sie war und ist die Bibel jedes Reisenden, dick wie ein Telefonbuch, ebenso schwer und grundsätzlich etwas unhandlich. Milepost heisst das jährlich aktualisierte Werk, das es im Jahr 2000 noch nicht online gab.

In der Milepost sind sämtliche Strassen nach und in Alaska aufgelistet. Meile für Meile. Jede Attraktivität am Strassenrand, jeder Abfallbehälter ist aufgeführt. Und glaubt mir, wenn man über hunderte von Kilometern, pardon Meilen, rechts und links der Strasse einfach nur Bäumchen sieht, die auf dem Weg nach Alaska immer kleiner werden und im Retourweg wieder allmählich grösser wachsen, stattet man jeder verwahrlosten Sehenswürdigkeit einen Besuch ab.

Ein flüchtiger Blick in die Milepost kündigte uns seinerzeit an, dass da bald wieder eine dieser oftmals etwas fraglichen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand sein würde. Ein Gletscher. Na wieso denn nicht? Für eine Abwechslung allemal gut, zumal auch touristische Infrastruktur vorhanden zu sein schien und einer Tasse Kaffee und Kuchen waren mein innig geliebter Mitreisender und ich noch nie abgeneigt (nach mehr als 16 Monaten Reise in den USA hatten wir uns längst an amerikanischen Kaffee gewöhnt bzw. uns damit abgefunden…).

Ich war kurz davor, den Mitreisenden auf die Zufahrtstrasse zu manövrieren, da las ich ganz am Ende des Milepost Eintrags etwas von “Entrance Fee”. Nein, entschied ich kurzerhand, so weit runter geschneit hatte es noch nicht. Wo kämen wir denn da hin, für den Anblick eines Gletschers zu bezahlen? Das können meinetwegen die Amis machen, aber nicht wir. Bewohner eines Alpenlands. Stolze Eidgenossen mit ihren Bergen und dem ewigen Eis. Nein, Gletscher gibt’s bei uns gratis.

Wir fuhren weiter und begnügten uns mit dem Anblick aus der Ferne und der Gewissheit, dass es auch in Alaska gratis Gletscher zu sehen gab. Schönere und mächtigere als denjenigen, welchen wir gerade verschmäht hatten.

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Der Aletschgletscher, mit 23 Kilometern der längste Gletscher der Alpen.

Sonntags-Vergnügen in Melbourne

Es gibt mit Sicherheit Leute, die dem heutigen Tag entgegengefiebert haben, vielleicht sogar extra früh aufgestanden sind, damit sie jaaa nichts verpasst haben. Sie haben es nicht erwarten können, bis die Automobil-Rennsaison wieder losgeht.

Zu der Sorte gehöre ich bekanntlich nicht. Dennoch bietet der Grosse Preis von Australien immer wieder Anlass für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich, uns an eine besondere Reiseanekdote zu erinnern. Eine Anekdote, die wir auch gerne mal erzählen, wenn es denn so grad zum Thema passt, und die euch hoffentlich auch zum Schmunzeln bringen wird.

Im Sinne eines faulen Sonntags-Beitrags empfehle ich euch deshalb die Lektüre dieses Beitrags, den ich vor drei Jahren veröffentlicht habe.

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