Mein Wohnzimmer und die langen Unterhosen

Vor einem Viertel-Jahrzehnt haben mein Mann und ich einmal im tiefsten Winter in einer Alpenvereins-Hütte in Österreich übernachtet. Es war bitterkalt, in den Schlafräumen konnte man seinen eigenen Atem sehen. Jeder war froh um jede textile Schicht. Mit einer Ausnahme. Diese hockte morgens um halb Sieben am geöffneten Fenster und war mit dem Kartenstudium beschäftig. Mit nacktem Oberkörper notabene!

Nun, das Wärmeempfinden ist wohl bei jedem etwas anders. Auch meine interne Klimaanlage spinnt momentan ein wenig. Mal grad recht, dann wieder eine Hitzewallung, dann kalte Füsse.

All dies hat nichts mit dem zu tun, was derzeit bei uns im Haus abgeht. Es wird gehämmert und gebohrt was das Zeug hält. Gewiss, es hätte geeignetere Momente gegeben, um die Heizung und den Boiler zu ersetzen. Aber es war nicht mehr möglich, damit bis in den Frühling hinein zu warten. Und im Frühling kann es ja auch noch kalt sein. Jetzt ist es draussen immerhin deutlich über null Grad, es hätte uns auch schlimmer erwischen können!

Da ich im Gegensatz zu anderen Leuten diese Woche nicht einfach ausziehen oder in die Ferien fahren konnte, harre ich in der immer kälter werdenden Bude aus. Das mit dem Heizen finde ich im Moment noch nicht so schlimm (was es zweifellos noch werden wird, wenn es wie angekündigt weitere 2 Tage dauert), und zum Duschen gehe ich einfach ins Fitness-Center.

Man arrangiert sich irgendwie. Das warme Wasser kommt in bescheidenem Ausmasse aus dem Wasserkocher statt in der Komfortvariante aus dem Wasserhahn. Und natürlich kommt es etwas schräg rüber, wenn man im eigenen Wohnzimmer mit langen Unterhosen und vielleicht schon bald auch mit Handschuhen und Mütze sitzt, aber was soll’s. Den Elektro-Ofen mag ich aus diversen Gründen auch nicht den ganzen Tag röhren lassen. Also wird halt noch etwas Eskimo-Training absolviert.

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Es wohnt wieder

Frau Flohnmobils Idee von “schöner Wohnen” hatte ihrem Umfeld einiges abverlangt. In Ermangelung nahezu sämtlicher handwerklicher Fähigkeiten seitens der Auftraggeberin wurden professionelle Maler aufgeboten, um das Wohnzimmer zu streichen. Währenddessen durfte sich Mutter Flohnmobil mit mehreren Metern Stoff herumschlagen, aus denen zu gegebener Zeit Vorhänge werden sollten. Frau Flohnmobil liess sich, als ihre Bleibe am unbewohnbarsten war, bei lieben Freunden zum Nachtessen einladen. Und nicht zuletzt brauchte es ein fachkundiges Paar Hände hinter der Bohrmaschine eines weiteren, hochgeschätzten Freundes, damit die neuen Vorhangstangen überhaupt und im Idealfall nicht schief an den frisch bepinselten Wänden hingen.

Es war ziemlich anstrengende Tage, auch für mich, und ich möchte allen Beteiligten, die mir mir Rat und vor allem Tat zur Seite gestanden sind, herzlich danken für ihren Einsatz. Ich bin sehr froh, dass ich euch habe.

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Noch stinkt es bei mir daheim nach Farbe. Aber unter dem kritischen Blick meines einstigen und noch immer innig geliebten Mitbewohners ist es nun wieder wohnlich geworden.