Vor- oder rückwärts?

Alle Jahre Ende Oktober die gleiche Frage. Muss ich die Uhr nun eine Stunde vorstellen oder eine Stunde zurück? Im Normalfall ist es nicht so eminent wichtig, stehe ich halt eine Stunde später auf. Oder doch eine Stunde früher?

Für einmal aber war alles anders. Es spielte sehr wohl eine Rolle, ob ich eine Stunde früher oder später aufstehen würde. Immerhin: Nach mehrseitigem Absichern hatte ich die Gewissheit, dass, sollte mein Handy mitten in der Nacht nicht automatisch auf Winterzeit umstellen, ich nicht eine Stunde zu spät, sondern eine geschlagene Stunde zu früh aus dem Schlaf gerissen würde. Trotz der unchristlich frühen Morgenstunde irgendwie beruhigend.

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Auf wackeligen Beinen

Mit einem beherzten Satz schaffte der Steinbock es gerade noch, sich hinter einem Felsblock in Sicherheit zu bringen. Das durfte wohl nicht wahr sein! Jetzt kamen diese zweibeinigen Gestalten mit ihren bunten, sackschweren Brettern noch früher als sonst auf seinen Berg.

Irgendwie dünkte ihn, dass sie heute besonders verschlafen aus der Wäsche guckten. Das konnte ihm nur recht sein, denn ihr ständiges Geplapper ging ihm ohnehin auf den Geist. Wenn sie ihn heute schon eine Stunde früher als sonst aus seinem Revier vertrieben, dann musste er wenigstens vorläufig ihr Geschwafel nicht über sich ergehen lassen. Er konnte sie nicht leiden, diese Kreaturen, die auf ihren zwei wackligen Beinen den plattgewalzten, von jeglichen Hindernissen befreiten Hang runter turnten. Ein triumphierendes Lächeln entschlüpfte seinen Lippen. Wie ungeschickt sie sich doch in den Bergen bewegten!

Das Ende war absehbar. Bald würde der Berg wieder ihm gehören. Bald war die Skisaison zu Ende und es kehrte vorübergehend Ruhe ein im Steinbock-Land. Und heute, das wusste er mittlerweile, heute waren sie nicht nur eine Stunde früher gekommen, sie würden dafür auch eine Stunde früher verduften.