Henne mit Rucksack

Es war fast so etwas wie ein Novum. Jedenfalls für mich und in dieser Gruppe, die sonst überwiegend vom weiblichen Geschlecht bestückt wird. Ich als einzige Frau mit vier Wanderern unterwegs. Henne im Korb.

G a c k e r !

Dennoch trug mich niemand auf Händen. Und es ermahnte mich am Morgen auch niemand, meinen Fotoapparat einzustecken. So kommt es, dass dieser Blog-Beitrag nur mit Handy-Fotos oder Fotos Provenienz “Fremde Federn”  bestückt ist.

G a c k e r !

Das ist unser Ziel: Der Roggenstock. Während unten im Tal noch Nebel liegt, fahren wir mit der Luftseilbahn Weglosen-Seebli dem tiefblauen Himmel entgegen.

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Während wir nach gut einer Stunde Aufstieg vom Gipfel aus das umwerfende Panorama bewundern können

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kann sich unten im Tal der Nebel noch nicht so richtig entscheiden, ob er vor- oder zurückrücken will.

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Diese zwei Bilder habe ich innert 10 Minuten aufgenommen.

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Unser Weg dagegen ist klar: Runter vom Gipfel, diesen im Gegenuhrzeigersinn umrunden und den kulinarischen Höhepunkt anstreben.

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Damit ist allerdings nicht das Picknick gemeint,

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sondern das im Bergbeizli Adlerhorst in Aussicht gestellte Angebot an Kuchen. Der Kürbis-Pie wird nicht nur sehr ansprechend serviert, er schmeckt auch hervorragend.

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Die Altherren-Runde sitzt zufrieden vor ihrem kulinarischen Hochgenuss.

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Von nun an geht es nur noch relativ gemütlich bergab nach Oberiberg.

Für eine kurze Show-Einlage sorgt ein Hase, der in einem Affenzahn über diese abgemähte Wiese hoppelt. Bergauf, wohlbemerkt!

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Als allerletzte Herausforderung müssen wir unmittelbar vor der Postauto-Haltestelle eine tropfnasse Treppe aus schmierigen, zum Teil abschüssigen Eisenbahn-Schwellen hinunter steigen. Wo die Sonne nicht mehr hingelangt, bleibt es trotz ausbleibendem Regen dauerhaft feucht. Wir gehen wie auf Eiern. Damit ist auf wunderbare Weise, wenn auch mit flohnmobilschem Humor-Verständnis und deshalb nicht für Alle nachvollziehbar, der Bogen zum Anfang gespannt.

G a c k e r !

Vielen Dank an Beat für die Organisation und Durchführung der Tour und allen Güggeln für den friedlichen Tag.

G a c k e r !

Das volle Sortiment an Fotos dieser schönen Herbstwanderung und weitere Infos finden sich HIER.

Karte

Der mit dem Pnö ins Fettnäpfchen fährt

Zwecks Einstimmung auf den bevorstehenden Winter liess ich mein Auto jüngst mit neuen Reifen bestücken. Dazu hatte ich mir den TCS-Winterreifen-Test aufgehoben, der vor einigen Wochen publiziert wurde, und machte eine Anfrage beim Pneufritzen meines langjährigen Vertrauens.

Ich nannte am Telefon die Reifengrösse und verkündete, welchen Typ ich reservieren wollte. Hoppla! Schon ins erste Fettnäpfchen getreten. Den genannten Reifen gibt es nicht in meiner Grösse. “Wüssed Sie, Frau Flohnmobil, die Test, wo da jedes Jahr gmacht werded, sind immer für bestimmti Reifegrössene vo gängige Auto wie zum Bispil VW Golf.” Merke: Ich fahre kein gängiges Auto. “De Conti Pneu vo Ihrere Grössi isch es letztjährigs Modäll und heisst….. “

Zurück auf Feld eins. Sollte ich trotzdem einen Conti Pneu wählen, auch wenn er möglicherweise nicht als Testsieger reüssiert hatte? “Was gibt es für Alternativen?” In Sachen Reifen kann man mir durchaus ein X für ein U vormachen. Ich war wirklich auf eine gute Beratung angewiesen. Es folgte eine ausführliche Auflistung von Premium-, Mittelpreis- und Billigmarken. Mit Vor- und Nachteilen wie Laufruhe, Spritverbrauch, Abriebfestigkeit, Traktion, Preis.

Man muss es ihm lassen, dem netten Herrn am Telefon, er war geduldig, nicht belehrend und sehr zuvorkommend. Er berechnete mir den Preis für vier verschiedene Reifensätze.

Und wie so oft in solchen Situationen überlegte ich mir auch diesmal, wie wohl mein Mann entschieden hätte. Das Auto war ihm sehr wichtig, da wurde nicht gespart, schon gar nicht auf Kosten der Sicherheit. Und so fällte ich meinen Entscheid:

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Die Farbkombination überzeugt mich zwar nicht zu hundert Prozent, doch auf dem Heimweg konnte ich mich immerhin schon mal vergewissern, dass der Winterreifen sehr ruhig läuft. Zumindest bei 16 Grad über Null.

Regen für Anfänger

Dieser Endlos-Sommer mit seinen seit Wochen viel zu hohen Temperaturen wird  – wir wissen es alle und verdrängen es höchst erfolgreich – früher oder später zu Ende sein. Irgendwann wird sich nicht mehr ein Hoch ans nächste reihen und milde Mittelmeerluft heranführen, sondern kühle Luft aus nördlicher Richtung zu uns fliessen.

Und dann? Um das voraussagen zu können, bedarf es keiner Kristallkugel. Es wird ein grosses Gejammer folgen, denn das Wetter hierzulande wird kalt, unfreundlich, neblig und feucht werden. Parallel dazu die Tage kürzer. Der Novemberblues wird einsetzen. Schlagartig werden die meisten Langzeit-Gedächtnisse ausgeblendet haben, wie ewig dieser Sommer 2018 gedauert hat.

Und es wird etwas gänzlich Ungewohntes passieren: Wir werden uns wieder mal mit einem leicht angestaubten Gebrauchsgegenstand auseinandersetzen müssen. Wisst ihr überhaupt noch, wie ein Regenschirm funktioniert?

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Immer wieder ein dankbares Sujet, dieses Kunstwerk in der Innenstadt von Trelleborg/Schweden.

Ausgepfiffen

Kaum der achtplätzigen Luftseilbahn Emmetten – Niederbauen entstiegen, hat Frau Flohnmobil schon eine neue Frisur. Der Föhn pfeift unserem heute sehr übersichtlichen Wandergrüppchen ganz schön um die Ohren.

Der einstündige Aufstieg auf den Niederbauen Kulm verläuft fast ausschliesslich im Gegenwind. Kaum zu glauben, dass es auf dem Gipfel nahezu windstill ist. Was für eine Aussicht!

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Nach ausgiebiger Rast und Umeluege machen wir uns an den Abstieg. Der Niederbauen Chulm ist zwar der Höhepunkt, jedoch erst das Zwischenziel des Tages.

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Etwas nervig im Abstieg sind die demontierten Stacheldrähte. Stets drei neben einander liegen mitten auf dem Weg! Natürlich bringe ich den Älplern Verständnis entgegen, dass sie diese Arbeit nicht erst machen können, wenn der hinterletzte Wanderer vom Berg verschwunden ist.

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Der weitere Weg verläuft mal in der Sonne, mal im Schatten. Es aussichtet gewaltig!

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Blick zurück zum Niederbauen Chulm.

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Der zunehmende Gegenverkehr an Wanderern könnte zwei Gründe haben, a) da ist irgendwo ein Nest oder b) eine Bergbahn.

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Auf der Wanderer-Autobahn kommt man uns mit Kinderwägen, Turnschuhen, Handtäschli, Kind und Kegel entgegen.

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Wir haben es bald geschafft.

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Die Klewenalp kommt in Sicht.

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Plötzlich geht alles rassig. Kaum haben wir die Bergstation der Luftseilbahn erreicht, schweben wir schon zu Tale. In Beckenried stehen wir vor der Wahl: mit Postauto und Bahn nach Luzern oder mit dem Schiff. Ersteres scheint weniger kompliziert. Schlanke Anschlüsse in Stans, Luzern und Zürich, dafür ein Kafi ohne Aussicht, bescheren uns eine rekordverdächtig frühe Heimkehr aus der Innerschweiz.

Danke, Beat, für diese gelungene Herbstwanderung.

Mehr Infos und Fotos gibt es HIER.

Karte

Bretonische Souvenirs

Ihre Tochter sei für einen dreiwöchigen Sprachaufenthalt in der Bretagne, erzählte mir die Kollegin, mit der ich kürzlich einen Ausflug machte. Sie komme morgen nach Hause.

Einen halben Tag später die Hiobsbotschaft aus dem Nordwesten Frankreichs: Die Sechzehnjährige hat Läuse, vermutlich übertragen von den Kindern der Gastfamilie.

Sofort und ziemlich synchron begannen meine Kollegin und ich, uns am Kopf zu kratzen. Und ebenso synchron brachen wir in schallendes Gelächter aus.

Ein Smartphone mag ja über viele Funktionen verfügen, die mir unbekannt sind. Aber Läuse kann auch dieses Allerweltsding nicht übertragen.

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Freiwillige Säufer gesucht

Im Frauengrüppchen, mit dem ich einmal pro Monat auf Wanderschaft gehe, hat es sich eingebürgert, auf der Heimfahrt im Zug ein Schnäpsli zu trinken. Nichts Starkes, eher ein klassisches Wiiberschnäpsli der klebrig-süssen Sorte. Verantwortlich für die Mitnahme des Gesöffs zeichnet jeweils die Organisatorin der Wanderung, das Schnapsgläsli zaubert jede Einzelne aus dem Rucksack.

Da ich früher oder später auch wieder mal an der Reihe sein werde, schaute ich mich vor geraumer Zeit anlässlich der Wanderwoche in den Abruzzen nach einem Schnäpsli um, das es bei uns nicht gibt. Meine Wahl fiel auf diese Flasche.

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Da es nicht die Idee ist, dass man am Tag X eine grosse, unverschlossene Flasche durch die Gegend schleppt, schenkte ich mir daheim kürzlich mal ein Gläschen ein. Schliesslich wollte ich wissen, was ich da meinen Kolleginnen in absehbarer Zeit zumuten werde. Und das Gesöff würde ich für die Wanderung ohnehin in eine kleinere Flasche umleeren.

Die  Zutaten liessen durchaus ein potentielles Wiiber-Schnäpsli erahnen: Süssholz, Zucker, Alkohol; daraus resultierend 21 Alkohol-Prozente. Farbe wie Konsistenz liessen zunächst auf reines Erdöl schliessen. Der eine und einzige Schluck, den ich mir genehmigte, überzeugte mich in Sekundenbruchteilen davon, dass dieses Gesöff für die besagte Runde absolut unzumutbar ist. Um nicht zu sagen: Erdöl hätte vermutlich besser geschmeckt. Und letztlich will ich nicht, dass wegen dem Schnäpsli auf meiner darauffolgenden Wanderung plötzlich alle Frauen auf gar seltsame Weise etwas anderes vorhaben!

Ohne Zweifel, würde sich nicht innert nützlicher Frist jemand für dieses Erdöl opfern, es würde in meinem Schrank bis zum Sanktnimmerleinstag ein höchst langweiliges Dasein fristen.

Mittlerweile hat sich ein dankbares Opfer gefunden, das diesen nach übelstem Bärendreck* schmeckenden Likör für trinkbar befunden hat. Dem Vernehmen nach muss er jedoch jedes Mal, wenn er dieses Gesöff zum probieren auftischt, alle anderen Gläser auch leertrinken.

Hauptsache das Erdöl steht nicht mehr bei mir rum!

*Bärendreck (Lakritze) habe ich grundsätzlich gern. Aber auf dem Weg in die Flasche muss etwas passiert sein, mit dem man als normaler Bürger nicht rechnen kann. 

Auf einem der vielen roten Hörner

Es gibt Rothörner, die kann man bequem mit der Bahn erreichen. Das Brienzer Rothorn (2’350 m) beispielsweise. Ebenso das Parpaner Rothorn (2’899 m). Dann gibt es das Zinal Rothorn (4’221 m), das ich vor wenigen Tagen in natura, wenn auch nur aus der Ferne, sah. Und dann gibt es Rothörner, von denen weiss ich nichts. Gestern habe ich so einen roten Hoger bestiegen, von dem ich bis vor kurzem noch nicht mal wusste, dass es ihn gibt.

In Sigriswil ist erst Zwischenstation. Noch wartet eine weitere kurze Postauto-Fahrt, bevor wir den Gipfelsturm aufs Sigriswiler Rothorn (2’051 m) in Angriff nehmen können.

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Der grösste Teil des Anstiegs liegt der Weg im Schatten. Wir sehen den ganzen Sigriswiler Grat, doch wo führt der Weg durch? Welches ist der Gipfel?

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Blick über den unteren Thunersee. Mit Niesen und Stockhorn sehen wir grad zwei Gipfel, auf denen wir innerhalb der letzten 12 Monate waren. Und weiter hinten waren wir dieses Jahr auch mehrmals.

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Das gesamte Mittelland liegt unter einer Nebeldecke.

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Wir kämpfen uns im steilen Gelände bergan.

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Die Landesverteidigung war schon vor uns zur Stelle.

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Wow, solche Wege mag ich!

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Endlich an der Sonne!

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Föhnwalze über dem Berner Oberland. Sie ist uns den ganzen Tag erhalten geblieben.

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Der weitere Wegverlauf ist ganz nach meinem Geschmack.

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Was für ein umwerfend schönes Panorama!

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Die letzten Meter vor dem Gipfel.

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Dies ist der ultimative Beweis, dass man den Gipfel von Sigriswil aus nicht sehen kann, denn wir sehen den Ort vom Gipfel aus auch nicht.

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Der Gipfel-Gueni.

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Frau Flohnmobil übt mal wieder mit PeakFinder.

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Und das ist dabei rausgekommen:

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Uns stehen 1’300 Höhenmeter Abstieg in unterschiedlich anspruchsvollem Gelände bevor.

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Ich hab sie erwischt: Die einzige Wolke am Himmel!!!

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Auf den letzten Metern runter nach Sigriswil.

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Eine prächtige Herbstwanderung! Vielen Dank, Barbara, für die tolle Idee und die Durchführung dieser Wanderung.

Etwas getrübt wird der Genuss auf dem Heimweg. Der Bus von Sigriswil nach Thun bleibt im Stau stecken (was wohl dem Normalfall entspricht), und wir verpassen den anvisierten Zug um mehr als 20 Minuten. Zusätzlich hat der Zug in Zürich einige Minuten Verspätung, sodass ich erneut fast eine halbe Stunde auf meine S-Bahn warten muss.

Mehr Fotos und Informationen zur Wanderung gibt es unter diesem Link.

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Spätzünder

Das habe ich noch nie erlebt! In all den Jahren, und das dürften mittlerweile an die 15 sein, konnte sich mein schöner grosser Kaktus noch nie aufraffen, im Herbst erneut zu blühen.

Da es nun nicht mehr so warm ist und höchstens noch eine Stunde Sonnenlicht die Pflanze erreicht, dauerte es mehrere Wochen, bis sich aus den Knospen die prächtigen Blüten entwickelten. Ich bin gespannt, ob noch alle aufgehen.

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Wie jeweils im Mai sondert die Pflanze eine klebrig-süsse Flüssigkeit ab, die auf den Boden tropft. Das Tröpfchen ist unterhalb des Blütenstempels auszumachen. Anders als im Frühling sind jetzt keine Ameisen mehr zur Stelle, um sich daran gütlich zu tun.

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Frau Flohnmobil ist entzückt!

Hotel ohne Alles

Ich hatte angekündigt, dass mir die dritte und letzte Übernachtung im Rahmen der viertägigen Wanderung im Wallis einen eigenen Blog-Beitrag Wert sei. Während ich dazu noch etwas ausholen muss, mögen zarte Gemüter ihrer geistigen Gesundheit wegen vielleicht eher nicht weiterlesen.

Ich hatte im Vorfeld mehrere Mails in dieses Hotel verschickt. Das Erste, um grundsätzlich abzuklären, ob am besagten Tag bis zu acht Personen beherbergt werden könnten. Das Zweite um zu melden, ich würde bis zu einem bestimmten Tag Bescheid geben, wie viele Personen wir tatsächlich seien. Auf mein drittes Mail, wir seien nur zu zweit, erhielt ich keine Antwort mehr. Ich machte mir aber keine grossen Sorgen, denn es war ja ausserhalb der Hochsaison.

Als sich unsere Gruppe für die letzten zwei Etappen um hundert Prozent vergrösserte, versicherte ich mich kurz im Internet, dass das Hotel noch über freie Zimmer verfügte. Als wir an unserem Etappenort ankamen, orteten wir das Hotel ziemlich schnell. Es war gegen 16.00 Uhr, eitel Sonnenschein über Vercorin. Etwas stutzig machte uns die halbwegs daniederliegende Tafel am Zugang zum Hotel.

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Tapfer schritten wir weiter. Von der Terrasse aus konnten wir beobachten, wie im Carnozet eine angeregte Lismi-Runde mit älteren Damen im Gang war. Immerhin ein Lebenszeichen! Am Empfang erschien kurz nach Betätigen der Glocke eine junge Dame. Ich erklärte ihr, wir seien nicht wie angemeldet zu zweit, sondern zu viert. Und wir wünschten wenn immer möglich Doppelzimmer mit zwei separaten Betten. Keiner von uns war erpicht darauf, vier Quadratmeter Bettdecke mit dem Bettnachbarn zu teilen.

Das alles schien sich problemlos bewerkstelligen zu lassen. Die Rezeptionistin  und Mädchen für alles, wie sich später herausstellen sollte, zeigte uns Zimmer. Das Erste war noch nicht gemacht, die nächsten Zwei entsprachen unseren Vorstellungen. Die Frage, ob wir auch hier essen würden, bejahten wir.

Wir deponierten unsere Rucksäcke im Zimmer und begaben uns zurück auf die aussichtsreiche Terrasse, um unseren Durst zu löschen. Derweil ging ich zurück an die Rezeption um zu fragen, ob man noch eine ID bräuchte, eine Unterschrift vielleicht. Und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Mademoiselle beeilte sich, mir zwei Anmeldezettel hin zu schieben. Dumm nur, dass da statt meinem Namen ein anderer stand. Ich machte auf diesen Umstand aufmerksam. Meine Reservation gab es ganz offensichtlich nicht! Nun, damit konnten wir leben, wir hatten ein Bett. Der dicke Hund folgte erst noch. Mademoiselle eröffnete mir – alles im mir verhassten Französisch, wohlgemerkt – dass wir das Frühstück in einem anderen Hotel einnehmen müssten. Ich war dermassen paff, dass ich das erst mal verdauen musste und gar nicht nach dem Grund fragte. Sie schrieb mir die Adresse auf, fand aber keinen Ortsplan auf dem sie mir hätte zeigen können, wo das sei. “Seulement cinq minutes en voitures”, versicherte sie mir. Dass wir zu Fuss unterwegs waren, musste ihr trotz unserer Wanderausrüstung entgangen sein. Es seien aber auch zu Fuss nur fünf Minuten.

Meine drei Wanderfreunde zeigten sich so erstaunt wie ich. Da das Frühstückshotel in genau der entgegengesetzten Richtung unserer morgigen Wanderung lag, entschieden wir uns, im Ort eine Bäckerei mit Café oder dergleichen zu rekognoszieren, wo wir uns morgen stärken konnten.

Das gelang uns nicht ganz auf Anhieb, da mittlerweile das Informationsbüro geschlossen war. Wir mussten einen derart hilflosen Eindruck hinterlassen haben, dass man uns freundlicherweise doch noch aufmachte. So wurden wir nach einigen Umwegen im Hotel Victoria vorstellig, wo man unserem Anliegen grösstes Verständnis entgegenbrachte.  Wir bummelten anschliessend noch etwas durch den Ort, dem ich nur zögerlich gewisse Sympathien entgegenzubringen vermochte, genehmigten uns einen Apéro und gingen zurück ins Hotel, um zu duschen.

Dumm nur, dass meine Haare bereits klatschnass waren, bis ich feststellte, dass der Fön im Bad nicht funktionierte. Einmal mehr fand ich mich an der Rezeption ein. Nach anfänglichem Schulterzucken und der Erklärung, sie arbeite sonst gar nicht hier (aha!!!) fragte mich Mademoiselle, ob es mir etwas ausmachen würde, in einem anderen Zimmer meine Haare zu trocknen. Auch diese Hürde war überwunden.

Frisch gespült und fein duftend fanden wir uns alle Vier gegen 19.00 Uhr im Speisesaal ein. Kurioserweise war dort die Hälfte der Tische fürs Frühstück gedeckt. Wir suchten uns im ungeheizten, nicht sehr einladend wirkenden Raum einen Tisch aus, an dem uns die Fenster einigermassen dicht schienen. Mademoiselle erschien mit der Speisekarte. Diese war so dürftig, dass wir uns – und diesmal ohne es ironisch zu meinen – unserer Gesundheit zu Liebe entschieden, die Küche lieber nicht auszuprobieren. Nebst uns war nur noch ein einziges Paar im Raum, das Raclette bestellen wollte. Leider seien die Kartoffeln ausgegangen, eröffnete ihnen Mademoiselle nicht ohne Bedauern. Die Zwei taten uns richtig Leid, so alleine dinieren zu müssen, denn sie wirkten nicht so mobil und fit, dass sie noch auf die Idee hätten kommen können, das Restaurant zu wechseln.

Wir Vier jedoch marschierten schnurstracks ins Hotel Victoria, wo man uns bereits kannte, einen netten Tisch zuwies und wir Nudeln an Lachssauce bzw. Tomatenfondue bestellten, assen und für sehr gut befanden. Immer wieder drehte sich unser Gespräch um das andere Hotel. Ob wir wohl die letzten Gäste vor dem Abbruch waren? Oder zumindest vor dem Saisonende? Weder noch, das Hotel ist auch heute noch im Internet, beispielsweise auf booking.com.

Nach einem guten Znacht, einer ruhigen Nacht und einem letzten Blick zurück ins Zimmer, ob wir auch nichts vergessen hätten, deponierten wir unsere Schlüssel an der verwaisten Rezeption. Symptomatisch für die ganze Einrichtung hing der eine Schlüssel nur an einem dürren Schnürchen. Wir staunten nicht schlecht, als vor der Hoteltüre ein Papiersack mit frischem Brot stand.

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Kurz vor 8.00 Uhr kehrten wir diesem seltsamen Etablissement den Rücken zu und futterten uns am kleinen aber feinen Frühstücksbuffet im Hotel Victoria die nötigen Kalorien für den bevorstehenden Wandertag an. Sollte ich mich jemals wieder nach Vercorin verirren, würde ich dieses Hotel ohne jegliche Umwege ansteuern.