Tattoo, nein danke!

Jetzt spriessen sie wieder. Nicht immer werden sie so wohlwollend aufgenommen wie die ersten Krokusse im Garten. Man hat sie, oder man hat sie nicht.

Ich habe sie seit jeher. Als Teenie hatte ich mich masslos über sie geärgert. Hatte die makellose Haut der Models bewundert und mir sehnlichst gewünscht, mein Gesicht käme auch ohne Sommersprossen aus. Heute weiss ich, dass ebenmässige Haut viel mit viel Schmiere zu tun hat und habe mich längst mit meinen Sommersprossen arrangiert.

Diese Tage erscheinen sie. Gratis und franko, auch wenn es Frauen geben soll, die sich – einem Trend folgend – Sommersprossen ums Näschen herum tätowieren lassen!!!

IMG-20190208-WA0005

Wie heissen sie übrigens bei euch? Wir haben sie immer Märzespriggeli genannt, oder – etwas weniger schmeichelhaft – Flüügeschiesserli.

Heimvorteil mit Glatteis

Für einmal war der Anfahrtsweg für mich erquickend kurz. Und das erst noch zu einer sehr christlichen Tageszeit. Daraus resultierte eine verhältnismässig kurze, dreistündige Wanderung, aber das war ja auch erst der Anfang.

Bei unserem Start in Turbenthal sind die Temperaturen zwar schon deutlich im Plusbereich, doch am Eingang zum Hutzikertobel liegt nicht nur Schatten, sondern auch Eis. Dieser lässt die Einen wie auf rohen Eiern gehen, die Anderen ihre Schuhkrallen montieren.

IMG_5631
IMG_5632
IMG_5633

Am Ende des schattigen Tobels wird es schlagartig besser. Wohl liegt noch Schnee, aber diesen haben die Temperaturen bereits so weit aufgeweicht, dass es keine Rutschpartie mehr gibt.

IMG_5634
IMG_5637
IMG_5638

Was, schon der Gipfel in Sicht?

IMG_5641

Aber es ist doch noch viel zu früh für den Mittagshalt! Gefuttert wird trotzdem.

IMG_5647

Was für ein beeindruckendes Panorama von diesem verhältnismässig tief gelegenen Hoger. Merke: Der Schauenberg – Ausflugsziel vieler Schulreisen im Sommer aber auch im Winter gut besucht – liegt auf 890 m.

IMG_5646
P1130196

Im Abstieg auf der Nordseite ist der Schnee noch pulvrig – zumindest dort, wo ihn nicht hunderte von Schuhsohlen über die vergangenen Tage poliert haben.

IMG_5649
IMG_5650

Je tiefer wir kommen, desto grösser werden die aperen Flecken.

IMG_5651

Beat wird plötzlich von Heimatgefühlen gepackt. Wir überschreiten in einem feierlichen Moment die Grenze zum Kanton Thurgau.

IMG_5654

In diesem Kanton allerdings erleben wir gar Seltsames. In der anvisierten Kneipe in Ettenhausen wird geraucht! Nach einer kurzen Kaffee- und Pippi-Runde flüchten wir wieder an die frische Luft.

Unser Tagesziel, das Areal des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters in Tänikon, erreichen wir nach wenigen Minuten.

IMG_5656

Dort erwarten uns nicht nur prächtige Gebäude sondern ein Museum, in dem ich eine Führung organisiert habe.

IMG_5661

In höchst unterhaltsamer Art und Weise werden wir von unserem Führer durch die Sammlung alter landwirtschaftlicher Gerätschaften und Maschinen begleitet.

IMG_5667
IMG_5688
IMG_5676

Wer sich für den Arbeitsalltag unserer oft bäuerlichen Vorfahren interessiert oder generell der Landwirtschaft etwas abgewinnen kann, dem sei eine solche Führung im Agrotechnorama im thurgauischen Tänikon wärmstens ans Herz gelegt. Das Museum ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Mein Dank gilt Herrn Stadler, der uns 90 Minuten lang durchs Museum begleitet hat, Beat, der die passende Wanderung herausgesucht hat und Allen, die einmal mehr durch ihre Anwesenheit zu einem unvergesslichen Tag beigetragen haben.

Mehr Infos und Bilder zu diesem Anlass gibt es HIER.

Karte

Schneeschuh Tour mit persönlichem Touch

Lange Zeit hatte ich nicht viel Positives für diese Sportart übrig. Als ehemalige Skitouren-Fahrerin erschien mir der Gedanke, im Winter auf einen Berg rauf und wieder runter zu laufen mehr als nur ein wenig öd. Die Schneeverhältnisse konnten gar nie so grässlich sein, dass ich es je bevorzugt hätte, NICHT mit den Skiern runter zu fahren.

Aber man lernt bekanntlich dazu. Und wird nicht nur älter, sondern mitunter auch weiser. Und so bin ich jüngst zur Erkenntnis gelangt, dass mir – mit der entsprechenden Begleitung – Schneeschuhtouren durchaus auch Spass machen. Man könnte sogar sagen, dass es mir etwas den Ärmel reingezogen hat.

IMG_5617

Heute auf  dem Weg zum Regelstein.

IMG_5622IMG_5626

Wer kann schon von sich behaupten, eine Schneeschuh-Tour mit eigenem Bänkli zu haben?

IMG_5620

Kleben für Anfänger

Früher wäre es einfach gewesen. Ich hätte festgestellt, dass die Schublade im Begriff ist, sich aufzulösen. Mein Mann hätte den Schaden begutachtet und mein Job hätte nur noch darin bestanden, die Schublade zu leeren. Der Rest hätte sich erledigt. Das funktioniert leider so nicht mehr.

Mehrmals hatte ich versucht, die Blenden der Schublade eines Kleinmöbels mit einem gezielten Schlag wieder in die Holzdübel zu befördern. Mehrmals war ich damit erfolgreich. Von einer dauerhaften Lösung jedoch kann man in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

Also ran! Schubladen ausräumen, je zwei Schrauben lösen, Schubladen aus den Führungsschienen ziehen. Runter ins ehemalige Heiligtum meines Mannes, wo eine Werkbank steht, im Schlepptau eine Tube Allerweltskleber.

Ich weiss, das war keine handwerkliche Höchstleistung, dennoch darf ich berichten, dass ich fünf Schubladen (die sechste war aus nicht nachvollziehbaren Gründen intakt)  aus ihrem Wackelmodus befreit habe.

Wie pflegte mein Mann solche Situationen zu kommentieren? Gott gebe, dass es klebe!

IMG_5615

Tatzeit: 13.51 Uhr

Man stelle sich vor: Eine Frau am Steuer. Ein Aufgebot zum Auto vorführen in ihrer Handtasche.

Weiter im Auto:
Freundin A
Freundin B
Freundin C
Freundin D
Freundin E

Die Frau am Steuer wartet vor dem grossen Tor, das sich rechtzeitig wie von Zauberhand öffnet. Das Abenteuer “Auto vorführen auf Bahn 4 um 13.51 Uhr” geht in die entscheidende Phase (im grossen Kanton nennt man das TÜV Fahrzeugprüfung oder so ähnlich).

Der nichtsahnende Experte schreitet auf das grosse Fahrzeug zu. Die Lenkerin steigt aus. Und mit ihr fünf weitere Frauen im völlig überdrehten Quassel-Modus. “Grüezi, mir chömed nu schnäll cho s’Auto vorfüehre und gönd nachher all zäme in Usgang.” Man stelle sich den Experten vor, der sich der mitleidigen Blicke aller anderen Anwesenden in der grossen Halle sicher sei kann!

Es ist leider nicht so weit gekommen. Meine Freundin bzw. ihr Auto hat die Fahrzeugprüfung ohne unsere Unterstützung bestanden. Aber die Idee … diese Idee … müsste man weiterverfolgen. Und dann unbedingt das Handy bereithalten, um den Gesichtsausdruck des Experten festzuhalten.

IMG_5123

Am kulinarischen Marterpfahl

Ich weiss, ich wiederhole mich. Aber ich trete auch immer wieder von neuem ins kulinarische Fettnäpfchen. Völlig unbedarft, naiv.

Ich hatte ausgeblendet, dass das Südtirol kulinarisch mehr zu Österreich zählt als zu Italien. Und musste es bitter büssen. Mit Kümmel!

Dieses Gewürz kann ich nicht ausstehen und wenn mir etwas mit Kümmel vorgesetzt wird, kann ich es bestenfalls noch dank meiner guten Kinderstube essen. Grundsätzlich wird für mich alles, restlos alles, und sei Kümmel nur in homöopathischen Dosen vorhanden, dadurch ungeniessbar.

Nicht mal diese prächtige Platte mit den vielfältigen Apéro-Häppchen, die man uns im Hotel offerierte, blieb verschont. Nur dank rechtzeitigem Anti-Kümmel-Reflex blieb mir der Gang an den kulinarischen Marterpfahl weitestgehend erspart.

20190203_183018

Wer immer noch nicht glaubt, dass ich keinen Kümmel mag, dem sei dieser Beitrag aus den Anfangszeiten des Flohnmobils ans Herz gelegt.

Auf dem alpinen Rummelplatz

“Der Kronplatz ist unser High-Tech-Berg.” Aus der Stimme unseres Skiguides, der vorne im Bus sass, konnte ich nicht erkennen, ob mehr Bewunderung oder Abscheu mitschwang.

Es folgten weitere Infos. “Der Kronplatz ist von vier Seiten her erschlossen. 32 Lifte führen hinauf, über 100 Pistenkilometer erwarten den Skifahrer. Die Lifte haben eine Beförderungskapazität von 71’000 Personen pro Stunde. An Spitzentagen tummeln sich hier über 25’000 Wintersportler.”

Das fuhr ein. 25’000 Wintersportler! Und ich Eine davon? Nie und nimmer! Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sich selbst eine derartige Menschenmenge über ein so grosses Skigebiet gut verteilt. Dennoch bin ich ganz froh, dass es wesentlich weniger Skifahrer gewesen sein dürften, die heute den angeblich beliebtesten Skiberg Südtirols heim suchten.

Der Superlative aber noch nicht genug. Einhundert Prozent der Pisten sind technisch beschneibar. Und wenn die Verhältnisse stimmen, braucht es lediglich 6 Tage, bis der High-Tech-Berg für den Wintersport bereit ist.

Was für ein alpiner Rummelplatz! Für mich übrigens ganz klar nicht der Favorit im Gebiet.

IMG_5605IMG_5606IMG_5609

Aber im Gegensatz zum vorigen Jahr, als die Sicht den grösseren Teil des Tages nahe bei Null war, haben wir diesmal ganz ordentlich etwas vom überwältigenden Panorama mitbekommen.

IMG_5599IMG_5603IMG_5610

Kann man so feige sein?

Der Tag begann, wie ein Skitag beginnen sollte. Blauer Himmel, kalt aber nicht arschkalt, Pulverschnee, windstill. Also etwa so:

IMG_5580

IMG_5584

IMG_5586

IMG_5587

IMG_5594

Leider verwandelte sich unser aller Euphorie innert Sekunden in ein beklemmendes Gefühl. Das Gefühl, dass es jeden von uns hätte erwischen können. Aber es erwischte nur Therese.

Sie wurde während dem Fahren seitlich gerammt, stiess einen Schrei aus, blieb liegen. Er, sie oder was immer es war, der/die sie umgenietet hatte, fuhr unbekümmert weiter!

Unsere Kollegin dagegen, sie musste zuerst mit dem Rettungsschlitten, danach mit dem Heli abtransportiert werden. Mittlerweile wissen wir: schwere Verletzungen an beiden Beinen. Therese wird in den nächsten 24 Stunden in ein Spital in die Schweiz verlegt werden. Wann sie wieder ein halbwegs normales Leben führen wird, steht in den Sternen.


Auch wenn du das nie lesen wirst:

Liebe Theres
Die ganze Gruppe ist zutiefst betrübt über das, was vorgefallen ist. Wir wünschen dir von Herzen eine möglichst schnelle, vollständige Genesung und hoffen, dass du nächstes Jahr trotz allem wieder mit dabei sein wirst.


Ich selber habe zwar nicht gesehen, wie es passiert ist, weil ich vorausgefahren bin. Aber ich habe eine Stinkwut auf diesen Typen, der eine Frau, die korrekt und nicht unbeherrscht gefahren ist, umgenietet und sich danach einfach aus dem Staub gemacht hat.