Das Wort zum Wochenende

“Zum Glück hat es im Glatt am Samstag so viele Leute.” Nach einem ausgiebigen und durchwegs ungewohnten Shopping-Tag im grössten Einkaufszentrum des Landes, der unsere Nerven ziemlich strapaziert hat, schaue ich ihn verwundert an, meinen lieben Bergler. Seinen Humor habe ich vom ersten Tag an gemocht. Und drum weiss ich auch, dass noch irgend etwas nachkommen muss.

Die Pointe lässt nicht lange auf sich warten. “Stell dir vor, die wären Alle am Wandern.” Hat was.

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Kulinarischer Irrtum

Als man uns auf der mehrtägigen Wanderung im Tessin letzte Woche als Vorspeise ein “Risotto ai Frutti di Bosco” ankündigte, gingen wir alle davon aus, dass diese Früchte des Waldes Pilze sein würden. Weit gefehlt! Im Teller kam es ungewohnt farbig daher, es schienen sich tatsächlich einzelne Beeren in der violetten Risotto-Masse zu tummeln.

Wir kosteten – und waren Alle begeistert! Es begann das grosse Rätselraten, wie ein solcher Risotto herzustellen sei.

Ich habe im Internet ein Rezept gefunden. Leider auf italienisch, aber so etwas stellt – zumindest mit etwas Fantasie – heutzutage keine grossen Hürden mehr dar.

Hier das Rezept aus DIESEM BLOG (es darf ausprobiert und geschmunzelt werden):

Zutaten

    Carnaroli-Reis 360 g
Gemüsebrühe 1 l
Heidelbeeren 50 g
Brombeeren 50 g
Rote Johannisbeere 50 g
Himbeeren 50 g
Taleggio 200 g
Creme 200 ml
Rosa Pfeffer 1 Prise
Schalotte 1 Nelke
Rotwein Ein halbes Glas
Butter 50 g
Olivenöl extra vergine q.b.
Grana Padano DOP q.b.

Vorbereitung

    Zuerst beginnen wir mit wilden Beeren: Spülen Sie sie unter kaltem, fließendem Wasser ab und schlagen Sie sie dann mit einem Mixer, bis eine weiche Sauce entsteht. (Für das endgültige Siegel etwas Obst beiseite legen).

    Die Schalotten hacken und in einer Pfanne bei schwacher Hitze mit etwas nativem Olivenöl extra anbraten, ohne es zu verbrennen.

    Erhöhen Sie die Hitze leicht, fügen Sie den Reis hinzu und rösten Sie ihn 2-3 Minuten lang, bis er transparent wird. Den Rotwein dazugeben.

    Lassen Sie den Wein verdunsten und fügen Sie die Brühe hinzu (schön warm, empfehle ich!). Während des Trocknens wird das Risotto zum Kochen gebracht (15 – 17 Minuten).

    Nach der Hälfte des Garvorgangs unsere Waldbeersauce hinzufügen und gut mischen. Sie werden dieses Parfüm spüren!

    Während der Reis kocht, können wir uns unserem Fondue widmen: In einem Topf die Sahne aufkochen, vom Herd nehmen, den gewürfelten Taleggio-Käse und eine Prise rosa Pfeffer dazugeben. (Sie können wählen, ob Sie gut mit einem Schneebesen mischen oder alles mit einem Mixer verquirlen, um eine weniger dichte Sahne zu erhalten.)

    Sobald das Risotto al dente ist (bitte versuchen Sie es zu verstehen), nehmen Sie es vom Herd, rühren Sie die Butter und dann das Grana hinein und mischen Sie alles gut durch, um die Zutaten zu mischen.

    Servieren: In einem Servierteller gießen wir das Taleggio-Fondue in die Mitte, legen eine runde Coppapasta in die Mitte und verteilen unser Wildfruchtrisotto. Wir schließen die Dekoration mit beiseite gehaltenen Beeren und einem Minzblatt ab.

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Unser Risotto mag vielleicht nicht exakt nach diesen Vorgaben gekocht worden sein, uns jedoch hat es geschmeckt. Und unsere Vorturnerin war nur schon von der Farbe des Gerichts hin und weg.

Frau Flohnmobil wünscht allen experimentierfreudigen Köchinnen und Köchen EN GUETE.

Zehn kleine Negerlein im Tessin

Zehn kleine Negerlein trafen sich in Intragna. Sie alle hatten das gleiche Ziel: Monte di Comino.

Dieses erreichten sie über Treppenstufen,

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vorbei an verfallenen Häusern,

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über mehr oder weniger abschüssige Wege,

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und über Wiesen. Sie wunderten sich nicht schlecht, als ihnen auf diesem Weg jemand mit einem Roll-Köfferli entgegen kam.

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Sie freuten sich über die sympathische Unterkunft Alla Capanna, wo sie nicht nur gut untergebracht waren, sondern auch ausgezeichnet assen.

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Am nächsten Morgen trat ein Negerlein den Heimweg an; es wollte sich die lange Etappe nicht antun. Neun kleine Negerlein machten sich auf den Weg zum Pizzo Ruscada.

Der Weg auf den Gipfel war lang und sehr abwechslungsreich – und alle fürchteten sich vor dem steilen Abstieg.

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Völlig zu Recht, denn innert Kürze wurden hunderte von Höhenmetern vernichtet,

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bis endlich der Bach nicht nur hör- sondern auch sichtbar wurde.

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Die Negerlein mussten nur noch einen Gegenanstieg von läppischen zweihundert Höhenmetern bewältigen,

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bevor sie in Comologno ihr Etappenziel erreichten.

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Sieben kleine Negerlein winkten zwei ihrer Kameraden hinterher, die mit dem letzten Postauto heimwärts fuhren. Die Verbliebenen quartierten sich im historischen Palazzo Gamboni ein, wo die Einen in diesem knarrenden Schlafgemach nächtigten.

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Sechs kleine Negerlein verabschiedeten nach einem ausgiebigen Frühstück ein Gspähnli, das sich aus gesundheitlichen Gründen entschieden hatte, auf die letzte Etappe zu verzichten.

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Das geschrumpfte Grüppchen setzte sich ins Postauto und fuhr nach Spruga.

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Im hintersten Onsernone-Tal, kurz vor der italienischen Grenze, schien die Zeit stehen geblieben zu sein.

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Den Negerlein gefiel, was sie hier antraffen. Jedenfalls zum wandern.

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Sie fanden die schönsten und blausten Enziane, die sie je gesehen hatten. Und sie hatten allesamt schon viele Enziane gesehen!

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Der optische Höhepunkt des Tages rückte ins Visier: der Laghetto di Salei.

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Den Einen reichte der blosse Anblick nicht, sie mussten unbedingt selber herausfinden, wie kalt sich 12 Grad anfühlten.

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Als sie wieder aufgetau(ch)t waren, marschierte das Trüppchen weiter

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und weiter

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bis es schliesslich auf dem Pizzo Zucchero stand.

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Von dort aus sah man den höchsten und den tiefsten Punkt des Landes.

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Nach dem kurzen Abstieg zur Bergstation der Funivia Zott – Alpe Salei liess jedes der Negerlein seiner Fantasie freien Lauf über den kulinarischen Abschluss der dreitägigen Wanderung. Eiskaffee  – Torta di Pane – Cappuccino – Bier. Leider hatte das in der Karte eingezeichnete Gasthaus in der Zwischenzeit dicht gemacht, sodass die tapferen Wanderer fast eineinhalb Stunden aufs Postauto warten mussten, das sie zurück in die Zivilisation brachte.

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In Locarno stürmten sie den Kiosk und alle sechs Negerlein hingen in der Folge an etwas Gefrorenem.

In Giubiasco schauten fünf kleine Negerlein zu, wie ihr jüngstes Mitglied auf den Anschlusszug rannte.

In Bellinzona trennte sich das Grüppchen erneut. Drei kleine Negerlein fuhren Richtung Norden und die verbliebenden zwei kleinen Negerlein mit dem Postauto ins Misox.

Ein kleines Negerlein schrieb diesen Blog….

… und dankt Barbara für die Idee und Umsetzung dieser tollen dreitägigen Wanderung durch abgelegene Tessiner Krächen.  Auch wenn ich diesen Garacho-Abstieg nach Comologno ganz bestimmt NIE MEHR machen werde, so hat es doch einmal mehr riesig Spass gemacht, mit der Gruppe unterwegs zu sein. Danke euch Allen!

Weitere Infos und Fotos zu den ersten beiden Tagen gibt es HIER.

Und der dritte Wandertag ist HIER nochmals beschrieben.

Will jemand nachwandern? Hier geht es zu den Kartenausschnitten:

Tag 1  ****  Tag 2  ****  Tag 3 

Berufung Berufskraut

“Buon Giorno.” Ich blicke von meiner Arbeit auf, sehe die alte Frau auf dem Balkon stehen und sage ebenfalls: “Buon Giorno.” “Was machen Sie?” fragt mich die Frau nun auf Deutsch, mit deutlichem Akzent. Ja, was mache ich eigentlich? Das habe ich mich in den vergangenen Stunden oftmals gefragt. Da ich nicht weiss, wie gut die Frau Deutsch spricht, lange ich in den Kübel, der seit den Morgenstunden mein Begleiter ist und halte ein Kraut in die Höhe. “Ausreissen.”

Ich weiss nicht, ob die Frau das versteht. Weder in Worten, noch wie man es sich antun konnte, stundenlang mit einem Stechgerät diese Sisyphus-Arbeit zu verrichten. Mal auf den Knien im Gras, mal mit gebeugtem Rücken, mal seitwärts, dann wieder sitzend, mal ganz in der Nähe, mal total ausgestreckt. Mit wenig System und doch zielführend.

Eineinhalb Tage lang war ich damit beschäftigt, diesem Kraut mit dem harmlos klingenden Namen “einjähriges Berufskraut” habhaft zu werden. Die ganze Wiese war übersät davon. Früher hiess es noch, dieser Neophyt liesse sich durch regelmässiges Mähen vor der Blüte in Schach halten. Tatsache ist aber, dass er so lediglich ganz tief liegende Verzweigungen ausbildet und aus einer Pflanze mindestens deren zwei werden. Und ausserdem wird das lästige Gestrüpp so mehrjährig!

Die einzig wahre Gegenmassnahme, wenn man nicht gleich den ganzen Rasen neu machen will, ist jäten. Das Kraut muss mitsamt der Wurzel ausgerissen werden. Und das habe ich wie erwähnt eineinhalb Tage lang getan. Mein Rücken schmerzt. An meinen Beinen und Armen spüre ich Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, meine Hände tun selbst jetzt beim Schreiben weh. Nach diesen ungewohnten Strapazen erscheint mir die bevorstehende Mehrtageswanderung als regelrechter Kindergeburtstag.

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Dreihändig

Ich wollte ja schon lange wieder mal in der Küche Staub saugen…

… der Umweg über den Teller wäre allerdings nicht nötig gewesen.

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Das hat man davon, wenn man links die Kaffeetasse trägt, rechts ein Tellerchen mit Guezli und sich einbildet, man hätte immer noch eine Hand frei, zum das Licht löschen.

Papierlos einkaufen

Wenn ich bei Coop einkaufe – und das kommt bei einem Migros-Kind wie mir ausgesprochen selten vor – werde ich an der Kasse neuerdings gefragt, ob ich die Quittung wolle. Soll ich nun Gewissensbisse haben, weil ich diese Frage stets bejahe? Soll ich der Umwelt zuliebe auf diesen Streifen Papier verzichten?

Coop verschickt in praktisch jeden Schweizer Haushalt jede Woche eine Zeitschrift, die mittlerweile mehr Beilagen in Form von Prospekten enthält, als die Zeitung selber dick ist. Schon lange rege ich mich über diese Papierflut auf. Letzte Woche kam mit dem Versand ein idiotisches Büchlein mit Rabatt-Gutscheinen. Pampers fünf Franken billiger. Zwei Kilo Spaghetti einen Franken billiger. Ein Rasenroboter 50 Franken billiger. Ein Sechserkarton Wein neun Franken billiger. Spülmittel, Kindersocken, Kosmetika, Charcuterie – alles ein Hauch billiger und in einer nicht nachvollziehbaren Logik angeordnet, damit man möglichst das ganze Büchlein von vorne bis hinten durchblättert.

Dieses Gutschein-Büchlein hat mir den Gong gegeben! Ich habe mich per Mail an den Abo-Service der Coop-Zeitung gewandt und in netten Worten erklärt, dass ich zukünftig auf dieses Druckerzeugnis verzichten werde.

Mit dem eingesparten Papier nur einer einzigen Ausgabe kann ich mir bis an mein Lebensende Quittungen aushändigen lassen.

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Zurück in den Frühling

Die Wanderung beginnt – und darüber ist kurz vor 10.00 Uhr niemand traurig – im Schatten.

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An der Sonne dagegen heizt es schon ziemlich ein.

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Es geht aussichtsreich

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obsi

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und obsi

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und immer noch obsi,

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bis wir kurz unter dem Gipfel des Buochserhorns mit dieser Traumaussicht belohnt werden.

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Einmal mehr ein gigantisches Gipfelkreuz. Es scheint das Modell “Nidwalden” zu sein.

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Nach der Mittagsrast auf dem Gipfel geht es weiter, immer mit Blick auf die Dalmatinerberge.

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Irgendwo in diesen Felszähnen steht uns noch eine Kraxelei bevor.

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Kurzes Werweisen, ob der Rätzelenweg für alle begehbar ist.

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Kein Problem! Alle meistern den blau-weiss markierten Weg mit Bravour.

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Wem würde bei einem solchen Anblick nicht das Herz aufgehen?

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Auf dem Musenalper Grat blühen noch immer Krokusse.

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Nach einer Einkehr in der Musenalp machen wir uns an den Abstieg zurück nach Niederrickenbach.

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Mittlerweile sieht man sie viel, diese “Hoflädeli”, in denen die Bauern versuchen, ihre Waren direkt zu verkaufen. Wenn es, wie hier, sympathisch und sauber daherkommt, kann ich jeweils nicht widerstehen.

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Nach dieser wunderschönen Wanderung transportiert uns die Luftseilbahn wieder talwärts an die Hitze zurück. Uff – muss es wirklich anfangs Juni schon 30 Grad heiss werden?!?

Herzlichen Dank an Beat für diese prächtige Wanderung und allen Krokus- und sonstigen Blüemli- und Aussichts-Fotografinnen und Fotografen für die angenehme Gesellschaft. Ich bin immer wieder gerne mit euch unterwegs!

Mehr Details zur Tour gibt es HIER nachzulesen.

Karte