Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Gestern, auf dem Furka-Höhenweg zwischen Realp und Andermatt, wurden wir Zeugen eines seltenen Naturphänomens.

IMG_0978

Den Regenbogen am Himmel nennen die Meteorologen “Zirkumhorizontalbogen”.

IMG_0979

In den Worten von SF Meteo:

Das seltene Halo-Phänomen erinnert an eine Regenbogenwolke. Es braucht einen Sonnenstand von über 58 Grad, was in der Schweiz nur im Sommer und um die Mittagszeit möglich ist. Für die Regenbogenfarben sind hohe Eiskristallwolken (Cirren) verantwortlich. An deren horizontalen Eisplättchen wird das Sonnenlicht gebrochen.

Grotesk ist

Wenn du morgens um 9.40 im Kanton Fribourg aus dem Sessellift steigst,

In deiner Begleitung drei Personen aus dem Kanton Schwyz,

Ihr habt euch als Tagesziel die 2’185 m hohe Kaisersegg vorgenommen,

Just in dem Moment, als ihr vom Sessellift steigt,

Erklingt im Radio das Lied

„… en allerletzte Sunnestrahl lüüchtet uf de Mythen….“

Da könnte man glatt in Anlehnung an einen bekannten Werbespot sagen:

„Wir undernähme auss, dass üser Gest ke Heiweh überchönd.“

Auf Umwegen zum Vreneli

5.58 – die Zahl des Tages. Abfahrt unseres Zuges in Richtung Wanderferien. Unsere erste Sorge, ein 3-minütiger Übergang, erwies sich als völlig unbegründet, hatte der Anschlusszug doch 12 Minuten Verspätung.

Doch nun begann das grosse Zittern, ob es in Zürich noch auf den IC nach Bern reichen würde. Nach menschlichem Ermessen sind 2 Minuten dafür zu knapp, doch da es im Bahnhof zur frühen Morgenstunde noch recht leer war, schlüpften wir gerade noch so in den erstbesten Waggon. Nach kurzer Wanderung durch den abfahrenden Zug fanden wir uns in einem praktisch leeren Wagen, der unten das Bistro hatte. Ideale Voraussetzungen!

Mit dem Kaffeebecher in der Hand schien die Anreise nach Gurnigel in trockenen Tüchern. Bis diese Ansage durch den Zug ging.

„Geschätzte Fahrgäste, infolge eines Personenunfalls bei Schönenwerd verkehrt dieser Zug nur bis Aarau. Wir bitten alle Reisenden auszusteigen.“

Das war das Aus unseres geplanten Wanderstarts gegen 9.30 Uhr. In mir begann es zu rotieren. Ich studierte sämtliche Postautolinien in der abgelegenen Gegend zwischen Gurnigel und Guggisberg. Auch ein Taxi zog ich in Erwägung, um auf die eine oder andere Weise doch noch wenigstens ein Teil der vorgesehenen Wanderung machen zu können.

Wie hatte man das früher bloss ohne Handy gemacht?!?

In der Zwischenzeit standen wir in Aarau auf dem sich füllenden Perron und erfuhren, dass in absehbarer Zeit kein Zug Richtung Bern fahren würde. Dafür zurück nach Zürich. Und von dort nach Luzern. Und weiter über Sursee nach Bern.

Drei Stunden später als geplant und mit etlichen Zusatzkilometern versehen, kamen wir in Bern an. Auf der Fahrt dorthin hatte ich ausreichend Zeit gehabt, mehrere Wandervorschläge auszuarbeiten. Aber noch trennte uns eine weitere Zugfahrt und ein Ritt mit dem Postauto von unserem improvisierten Startpunkt.

Endlich…..!

In knapp drei Stunden bewanderten wir das hügelige Gebiet des Schwarzenburgerlands.

Als Highlight nahmen wir den Nagelfluh-Gipfel des Guggershorns mit, der über eine veritable Himmelsleiter erklommen werden musste..

Und dann? 20 Minuten Abstieg nach Guggisberg, Einkehr und Einquartieren im einzigen Hotel im Dorf und das Resumee: Wir haben wohl das Beste aus der Situation gemacht.

Es geht nichts über ausreichende Geografie-Kenntnisse und ein GA oder zumindest eine Tageskarte im Sack.

Nochli normaler

Der Anfang der Wanderung ist etwas harzig. Wegen drohender Gewitter-Gefahr hatte ich den Start um eine Stunde vorverlegt, doch weil einer der Züge ein technisches Problem hat, kommen zwei Wanderinnen zu spät an, sodass wir in den nicht ganz freiwilligen Genuss eines laaaangen Startkafis kommen, bevor wir das nächste Postauto Richtung Alpthal besteigen.

IMG_0681

Weit und breit nichts, das auf eine Verschlechterung an der Wetterfront hindeutet, wir schreiten frohen Mutes auf unterschiedlich breiten Wegen voran.

IMG_0679

IMG_0683

Vorbei in der Nähe des Mittelpunkts des Kantons Schwyz (den aufzusuchen sich wohl niemand freiwillig antun mag) ist das Gelände mal schroff, dann wieder anmutig und von entzückendem Wollgras gespickt.

IMG_0687

Welcher Hobbyfotograf würde sich diesen Anblick entgegen lassen?

IMG_0691

Auf dem Spital empfängt uns eine herrliche Rundsicht.

IMG_0697

Und im Mösliwald eine määrlihafte Stimmung.

IMG_0701IMG_0702

Nebst den zahlreichen, leicht verrotteten Stegen hat der Mensch hier nicht viel Hand angelegt.

IMG_0703

Nach dem Hummel wird es nur noch bergab gehen. Und zwar ziemlich ruppig!

IMG_0705IMG_0706

Eigenwillige Deko am Wegesrand. Nachdem uns den ganzen Tag keine 10 Wanderer begegnet sind, sind wir wieder in der Zivilisation zurück. Trocken!

IMG_0708

Eine gelungene Wanderung mit motivierten Teilnehmern. Schon fast wie früher. Danke euch allen fürs Mitkommen!

Mehr Infos und Fotos zur Wanderung gibt es HIER.

Ein Bisschen Normalität

Es war zwar keine Wahnsinns-Wanderung, aber immerhin eine Wanderung, die unter den gegenwärtig herrschenden Einschränkungen möglich ist. Möglich sowohl in Bezug auf die Anreise, wie auch auf die Teilnehmerzahl.

Zu fünft wandern wir ab Samstagern zum Hüttnersee,

IMG_0660

durchqueren das Moorgebiet auf dem Weg nach Hütten,

IMG_0662

überqueren die Sihl und steigen bergan Richtung Rossberg,

IMG_0665

wo wir artig zu fünft an zwei Tischen sitzen und uns ein Dessert genehmigen,

IMG_0667

um frisch gestärkt den letzten Aufstieg zum Dreiländerstein in Angriff zu nehmen.

IMG_0668

IMG-20200527-WA0000

Es aussichtet gleich auf mehrere Seen.

IMG_0672

IMG_0675

Eine unaufgeregte Wanderung bei guter Unterhaltung und prächtigem Wetter mit Ziel in Biberbrugg.

IMG-20200527-WA0003

Aus dem Leben eines Berufskrauts

Über Jahre hinweg glaubte man, man könnte mich mit einem simplen Rasenmäher in Schach halten. Rechtzeitig vor der Blüte schneiden und das Berufskraut kann sich nicht vermehren, so lautete die Devise.

Wie sehr haben sich die Rasenmäher-Leute getäuscht! Denn ich wusste mir zu helfen. Ein Schnitt zur rechten Zeit verlieh mir geradezu ungeahnte Kräfte, mein Vermehrungsdrang explodierte förmlich. Welcher Dilettant auch immer mir den deutschen Namen “einjähriges Berufskraut” verlieh, er hatte keine Ahnung, zu was ich fähig bin. Durch den Rückschnitt bilde ich nämlich Rosetten aus, die mehrjährig werden können und die Mathematik lautet simpel und einfach: Aus eins mach zwei. Kann gut sein, dass ich so für den Rest des Jahres nicht mehr zum blühen komme, aber weg von der Bildfläche bin ich deswegen noch lange nicht.

Auch in diesem Garten im Misox pflegte ich über Jahre hinweg ein angenehmes Leben. Wurde gelegentlich gemäht, aber mit Rücksicht auf die umliegenden, durchaus erwünschten Wiesenblumen frühestens ab Mitte Sommer. Kurz, ich konnte mich ziemlich ungehindert ausbreiten. Bis der Landbesitzer mit dieser semi-professionellen Unkraut-Jäterin und Naturliebhaberin daher kam und von seinem Leid mit mir berichtete. Sie wurde von einem nicht nachvollziehbaren Ehrgeiz gepackt, meiner habhaft zu werden.

Seither rückt sie mir jedes Mal (JEDES MAL!!!) wenn sie hier ist, und das ist sie neuerdings ziemlich häufig, auf die Pelle. Tagelang schon ist sie auf allen Vieren durch die sonst so gehätschelte Blumenwiese gekrochen und hat an mir und meinen Artgenossen herumgerupft. Danach sieht es jeweils aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

IMG_0636

Zugegeben, es ist die einzig wahre Möglichkeit, unsereins in Schach zu halten. Nur mitsamt der Wurzel ausgerissen können wir unser Werk nicht vollenden. Die Frau lässt nicht locker und geht davon aus, dass sie sich früher oder später arbeitslos gejätet hat. Dabei verkennt sie völlig, dass ich im Dorf, ja was sage ich, in der gesamten Talschaft, Hunderttausende von Verwandten habe, die ungehindert wachsen dürfen. Und deren Samen lassen sich von dem Bisschen Zaun ums Areal nicht abhalten, auch im Garten des genannten Landbesitzers wieder eine neue Bleibe zu finden.

IMG_0637

Und wenn sie nicht ausgerissen wurden, so vermehren sie sich noch heute, die Berufskräuter.